Der künstlerische Handeinband ist weder nur eine Verpackung noch reiner Selbstzweck. Wenn er gelingt, ist er eine Nobilitierung des Buches.
In meinem Heimatort Ründeroth gab es bis 1973 die Geschäftsbücherfabrik Gustav Jaeger, vor dem 2. Weltkrieg eine der größten Fabriken dieser Art in Deutschland. Da schon mein Großvater und Vater dort als Buchbinder arbeiteten, hatte ich seit meiner Kindheit einen Bezug zu handgebundenen Büchern und Buchbinderwerkzeugen. Besonders faszinierte mich der handgefertigte Marmorschnitt an einem wuchtigen Sprungrückenbuch mit Metallschienen, dem Gesellenstück meines Vaters.
Nach dem Abitur entschied ich mich ebenfalls für einen Beruf mit Büchern und absolvierte eine Lehre als Buchhändler, bevor ich mich später selbständig machte und zusammen mit meiner Frau Anke Ahle das auf Bibliophilie und Einbandkunst spezialisierte Antiquariat Peter Ibbetson gründete. Seit Mitte der 2000er Jahre arbeite ich auch als Buchbinder und beschäftige mich selbst mit der Herstellung künstlerischer Handeinbände. Mein Fokus liegt dabei nicht auf speziellen Einbandtechniken, sondern auf der künstlerischen Gestaltung des Bucheinbandes.
Dabei folge ich keinem festgelegten Plan, sondern vertraue dem kreativen Prozess und lasse mich auf das Unerwartete ein. Ich experimentiere mit Formen der Prägung und Modellierung, mit den Texturen unterschiedlicher Materialien, und mit dem Verlaufen von Farbe. Alle Bestandteile eines Bucheinbandes gestalte ich selber. Auf diese Weise werden aus Büchern Gesamtkunstwerke. Jeder meiner Einbände ist ein Unikat.
Ich wähle stets Bücher aus, die für mich aufgrund ihres Inhalts, ihrer Stimmung oder ihrer bibliophilen Ausstattung eine besondere Bedeutung haben, die ich künstlerisch zum Ausdruck bringen möchte. In diesem Dialog zwischen Inhalt und Form bewegen sich meine Arbeiten an der Schnittstelle von Buchbinderei, künstlerischer Interpretation und materieller Forschung.
